Ich kann nicht malen.

Malen konnte ich noch nie gut. Zeichnen auch nicht. An der Tafel hatte ich auch schon immer eine schreckliche Handschrift. Über die Zeit ist es ein bisschen besser geworden. Als Scrum Master habe ich stundenlang Whiteboards und Flipcharts vollgeschrieben, irgendwann ging es dann sogar mit der Handschrift. Schön ist noch immer was anderes, aber immerhin kann man es lesen. (Großer Trick ist auch wieder Farbe und ein paar Tricks: Sobald man mit mehr als einer Farbe schreibt erinnern sich alle besser an das, was man aufschrieb und wenn man dann noch ein Flipchart mit Schatten oder Rahmen vorbereitet hat sind schon alle KollegInnen viel aufmerksamer, weil “das irgendwie voll professionell” aussieht. Auch wenns nur ein Rechteck ist…)

Heute hatte ich die Freude bei meinem Kollegen Günter einen Workshop zum Thema “Sketchnoting” zu besuchen. Auch wenn ich nicht mehr so viele Flipcharts und Whiteboards gezielt mit Farbe beschmiere wie als Scrum Master, es hat sich absolut gelohnt. Denn Sketchnotes haben erstmal nichts damit zu tun, dass man Dinge für andere Leute verständlich grafisch aufbereitet oder protokolliert, sondern es dient in erster Linie der Person, die sie erstellt, als strukturierte Notiz. So bleiben Dinge besser im Kopf und falls nicht kann man sie schnell wieder ins Gedächtnis rufen.

Wie ich dabei Dinge visualisiere, meine persönliche visuelle Handschrift quasi, ist natürlich sehr individuell. Aber auch für Teams kann sowas nützlich sein. Besonders in der IT gibt es viele abstrakte Prozesse. Diese schematisch aufzuzeichnen hilft ungemein in Diskussionen, weil man eine gemeinsame (Bild)Sprache für den Prozess findet und im Zweifel am Whiteboard oder Flipchart auf einzelne Teile zeigen kann. Ein Beispiel aus meinem letzten Team: Für den Rollout einer technischen Änderung wollten wir gezielt einen Teil des Traffics durch den neuen Prozess leiten, anstatt diesen direkt für alle freizuschalten. Sollte es (trotz intensivem Testing im Vorfeld) ein Problem geben wären nämlich alle Daten weg, auf denen alle Folgeprozesse basieren. Daher brauchten wir eine Art Weiche, mit der selektiert wird welcher Teil des Traffics durch den alten und welcher durch den neuen Prozess geht. Wo wurde der “Magic Sorting Hat” geboren, einfach visualisiert durch eine spitze Ecke mit oval drunter. Das ganze Team wusste, wo der Magic Sorting Hat im Prozess steckt und was er tut.

Aber zurück zu den Sketchnotes.

Eigentlich war nichts, was in den Workshop besprochen wurde, revolutionär: Man kann Papier hochkant oder quer hinlegen und beschreiben. Wenn man Sachen dick schreibt fallen sie besser. Dadurch kann man Dingen Struktur geben. Pfeile und Kästen helfen dabei auch, Farbe sowieso. Die meisten Dinge lassen sich einfach schematisch darstellen. Statt ein realistisches Bild eines Menschen zu zeichnen reicht auch ein Strichmännchen um klar zu machen, dass es etwas mit einem Menschen zu tun hat. Und wenn man nicht weiß wie man etwas zeichnen soll aber andere das gut machen guckt man eben ab (zum Beispiel bei Günter!).

Trotzdem bin ich total begeistert. Warum?

Es hat einfach unglaublich spaß gemacht. Und innerhalb der ca 2h habe ich direkt gesehen, wie viel besser ich geworden bin und das mir direkt einfiel, wie ich mir Notizen aufschreiben kann: Kommt ein großes Schlagwort oben drauf? Mache ich etwas mit Farbe oder Pfeilen? Mit dem, was am Ende des Workshops vor mir lag bin ich sogar recht zufrieden.

Malen kann ich noch immer nicht. Zeichnen auch eher schlecht als recht. Ich habe mir aber vorgenommen das Gelernte direkt anzuwenden. Grade lese ich Kanban in der IT von Klaus Leopold und Siegfried Kaltenecker, was unglaublich informativ ist. Alles werde ich mir nicht merken können. Also will ich mir Sketchnotes für die einzelnen Kapitel machen mit den jeweils wichtigsten Ideen und Fragen für mich. Denn Übung macht schließlich die Meisterin.

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