hafentalks in Der Verbotenen Stadt

Diese Woche wagte ich einen Ausflug in den düsseldorfer Medienhafen, denn InVision hatte in seine (unfassbar schönen) Räumlichkeiten zur hafentalks-Reihe geladen. Thema dieses Mal: “Almost Everything I’ve Learned from 6 Years of Lean UX”. Jeff Gothelf erzählte aus dem Nähkästchen von seinen Erfahrungen mit UX, Design und Agilität und dass das alles sehr wohl zu einander passt.

In den Teams, in denen ich arbeitete, war die Integration von UX in Sprints immer eine Herausforderung. Die Designer verlangten (zu Recht) Zeit um kreativ arbeiten zu können und die Devs verlangten (zu Recht) Input, den sie umsetzen können, der PO wollte riesige Vorlaufzeiten vermeiden. Eine “Design Phase” klang wieder so nach Wasserfall.Besonders weil Designer meist eine geteilte Ressource waren oder zumindest aus einem Team ausgeliehen werden mussten ging es aber eben nicht ohne Absprachen und einiger Zeit Vorlauf, was dem agilen Gedanken wiederum im Weg stand. Schwierig also alles.

Gothelfs Kernaussagen spiegelten genau dieses Problem gut wieder: “Design has to change” und “Product Development has to change”. Wenig überraschend auch die Essenz des Ganzen: Nichts hilft mehr als Kommunikation.

Designer und Kunden/Entwickler müssen sich austauschen, oft und auf kurzem Weg. Durch “Minimum Viable Conversations” kann das “Was?”, “Wer?” und “Wie?” am schnellsten geklärt werden und durch Transparenz direkt Feedback eingeholt werden. Wenn man schon bei einem Doodle guckt was gewünscht ist spart man sich viel Zeit und Aufwand, die in umfassende Mockups fließen bei denen es dann am Ende heißt, dass man sich alles doch anders vorgestellt hätte. Bei Design lauert hier auch immer eine Gefahr: Die meisten Menschen haben Augen und ein (vermeintliches) Gespür für Ästhetik. Auch ich bekenne mich schuldig häufig “Ideen” in den Raum zu werfen wie man die Gestaltung machen könnte, was die Designer, deren Job genau das ist, nicht so erfreut. Was folgt sind endlose Feedbackschleifen in denen jeder Pixel mit viel Pech neu diskutiert wird.

Im zweiten Teil des Talks plädierte Gothelf für einen veränderten Blick auf den Erfolg eines (Software-)Projekts. Das Produkt wurde geshippt – war das nun der Erfolg? Laut Gothelf sollte man sich immer fragen “So What?”. Statt output wie Releases oder Velocity der Entwicklung anzuschauen macht es mehr Sinn sich auf das Nutzerverhalten nach dem Release zu konzentrieren. Denn ohne User bringt selbst die beste Software nix. Statt output sollte man also outcomes messen. Dadurch kann man auch gucken was die nächsten Schritte sind, Agil gesagt: Inspect and Adapt. Rauszufinden, wie diese outcomes sind kostet natürlich Zeit und Geld und die Velocity kann auch mal drunter leiden. Dennoch hat man langfristig bessere Qualität. Gothelf fasst dies als “Ship”, “Sense” and “Respond” Zyklus zusammen. Zum “Shippen” braucht man die entsprechende Infrastruktur (Hallo, Continuous Deployment!), zum “Sensen” Analytics und zum “Responden” einen kulturellen Wandel (Hallo, Agilität!).

Alles in allem war es ein interessanter und unterhaltsamer Talk. Als Goodie gab es auch noch “Sense & Respond”, das Buch von Jeff Gothelf und Josh Seiden, das sich genau mit diesem kulturellen Wandel befasst. Ich bin gespannt und hoffe mein Versprechen, es auch wirklich bald zu lesen, einzuhalten.

Leave a Reply

Your email address will not be published.