Ein Hasspost für Ms Congeniality

In letzter Zeit versaue ich mir mutwillig meinen einst gehegten und gepflegten Netflix Vorschlagalgorithmus mit RomComs, vollkommen absichtlich. Ja, die meisten sind ziemlich grausam, aber mein Ziel ist es die paar Guten, denen man ihre Schwächen verzeihen kann, zu finden und dann immer, wenn Bedarf ist, hervorzuzaubern. Man weiß ja nie, wann man so eine RomCom braucht (zum Beispiel wenn man sehr krank im Bett liegt und einem Hirn gefühlt zu den Ohren rausläuft). Gestern war Miss Congeniality (2000), auf Deutsch Miss Undercover, dran und es war schlimm. Sehr schlimm.

Die Idee ist ja sehr charmant. Auch starke Frauen können schön sein. Also, ich glaube, dass das die Idee sein soll. Ich hoffe es zumindest. Geht aber alles grandios in die Hose.

Die Protagonistin ist eine harte FBI Agentin, die für ihre Arbeit lebt. Dabei bleibt dann auch mal Haushalt und Essen auf der Strecke (obwohl sie doch eine Frau ist!). Anerkennung bekommt sie nicht so ganz, weil sie einen Gangster bei der Festnahme gegen die Anweisung von ihrem Chef vor dem Ersticken rettet (also vielleicht auch doch nicht so hart?) wird ein Kollege angeschossen. Als Folge landet sie dann nicht im Vorzeigeprojektteam (holt den Kollegen aber Kaffee und Frühstück), das einen berüchtigten Serientäter schnappen soll, obwohl sie dessen Drohbrief entziffert, in der gleichen Zeit wie die Fachabteilung. Der Serientäter hat es auf die Miss USA Wahl abgesehen, man will also jemanden einschleusen. Leider ist die einzig gut aussehende Kollegin in Mutterschutz – verdammt. Die Kollegen “photoshoppen” dennoch mit unglaublicher Hingabe alle Kolleginnen zu Bikinimodellen, hahaha wie lustig, ein kleiner Herrenwitz. Und dann sieht die Protagonistin, mit der man es natürlich nur zum Spaß macht, die das auch eigentlich gar nicht möchte, doch nicht so schlimm wie gedacht aus. Nachdem dann noch eine Batterie an Fachkräften in pinken Arbeitskitteln an ihr rumwerkeln sieht sie sogar vorzeigbar aus und darf zum Contest.

Die anderen Damen dort sind natürlich alle sehr dumm und egoistisch oder freundliche aber naive Blondchen (die, wie sich am Ende in einem Nebensatz rausstellt Atomphysik studieren, aber who cares? Es geht um das Optische!).

Zwischendrinnen ein kurzes Highlight: Das naive Atomphysik-Blondchen vertraut der Protagonistin an, dass ihr Prof sie sexuell belästigt oder genötigt hat. Sie stellt es erst als ihren Fehler dar und sagt, dass sie etwas verbotenes getan hat doch unsere Protagonistin berichtigt dies sofort und sagt, dass dies nichts normales oder triviales sei und zur Anzeige gebracht werden sollte. AHA! Kommt nun der turn des Films?

Nein. Natürlich nicht.

Als die Protagonistin ihr daraufhin Selbstverteidigung beibringen will kippt das Blondchen einfach so up. Und comic relief rettet uns vor lästigen Diskussionen oder Überlegungen zu sexueller Gewalt. Puh, das war knapp.

Natürlich wird in einer dramatischen Aktion die Wahl gerettet. Leider ist die Protagonistin bis dahin vollends verblödet. Als sie von ihren Mitwettbewerberinnen geehrt wird hält sie erst eine ergreifende Ansprache, kriegt dann aber doch die klischebehafteten Tränen und wünscht sich Weltfrieden. Wäre doch zu doof, wenn sie am Ende stark und klug ist.

Der Kollege, der sie vorher gegen ihren Willen zum Bikinimodel machte wird natürlich auch noch abgeschleppt, ist ja schließlich auch ein bisschen Romantik in der RomCom. Der arme Kollege muss seine Hypermaskulinität aber auch andauernd unter Beweis stellen, schließlich sind sonst alle Männer schwul und huch, so möchte man doch wirklich nicht wahrgenommen werden!

Das Happy End machte mich so wütend, dass ich mir erstmal einen großen Gin Tonic machen musste. Die arme Protagonistin kommt also wieder zurück an einen Arbeitsplatz, an dem man sie nicht schätzt, voller sexistischer Kollegen, und ihr neuer Macker mag sie auch nur seit sie auf einmal hübsch wurde. Für mich klingt das nicht nach einer tollen Aussicht. Es gibt einen zweiten Teil. Ich weiß nicht ob ich bereit bin dafür.

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