Langes Wochenende: Viel Zeit für Nix

Wonnemonat Mai, allseits beliebt dank vieler langer Wochenenden. Ich werde dieses Jahr zur Expertin in langen Wochenenden, denn ich nehme sie alle mit. Außerdem bin ich ein absoluter Profi im Zeit totschlagen, daher hier meine Protokolle der letzten zwei langen Wochenenden als Vorbereitung für die nächste Woche, die tatsächlich aus FÜNF(!!!) Arbeitstagen besteht.

28.04.-01.05.

Samstag wagen die Braut und ich den absoluten Wahnsinn und besuchen die Kölner Innenstadt um Schuhe für ihre Hochzeit zu kaufen. Das funktioniert erstaunlich gut und schnell (dritter Schuhladen, dritter anprobierter Schuh). Ich widerstehe dabei dem Impuls mir ein weiteres Paar schwarze Pumps zu kaufen, um es anschließend nie zu tragen. Außerdem probieren wir alberne Kleider an, ich sehe aus wie Cindarella, wenn sie 370€-Kleider tragen würde. Im Sale kaufe ich mir dann doch ein Kleid (für deutlich weniger als 370€), das ich vermutlich nie anziehen werde, weil es zu fancy für alle Anlässe, auf denen ich mich so rumtreibe, ist. Aber im Rahmen des Kulturjahres könnte ich ja mal wieder in die Oper, wobei man da ja sicher auch schon Jeans trägt. Warten wir also auf die Einladung zum Fancy Cocktailempfang (denn nein, es ist für keine der 4 Hochzeiten diesen Sommer geeignet). Abends stoßen der Bräutigam sowie Christian dazu und wir gehen zur Stefanie Sargnagel Lesung im CBE. Ich amüsiere mich köstlich, lerne tolle österreichische Ausdrücke und habe nun ein weiteres signiertes Buch in meiner Sammlung. Im Anschluss werden noch ein paar Gläser Bier getrunken und jemand erzählt mir etwas von seiner Promotion über irgendwas mit “enterprise scale” und “cloudbased” Gecyber. Ich lache etwas, da die Hälfte der Wörter im Titel der Diss, den ich vergessen habe, bei mir Traumata wachwerden lassen.

Sonntag mache ich hauptsächlich gar nichts, außer auf dem Sofa liegen und lesen. Schließlich ist ja Sonntag.

Montag gehe ich meiner großen Leidenschaft nach, die Kontaktanzeigen im Zeit Magazin. Irgendwann baue ich damit mal einen Corpus auf und werde herausfinden, ab wann man “junggeblieben” ist, ob wirklich in jeder Ausgabe mindestens ein Typ ist der eine absurd jüngere Freundin sucht, ob es Trend in den Formulierungen gibt und wie lange sie sich halten. (“Mädchenfrau” ist mir lange nicht mehr untergekommen, “unternehmerisch erfolgreich” auch nicht. War aber mal sehr trendy, schwöre!) Da ich in letzter Zeit sehr unregelmäßig Die Zeit lese wird es aber nicht jetzt sein. Abends nimmt man mich mit zu Freunden und ich beweise meine Social Skills. Einen Maibaum kriege ich nicht, was mich natürlich etwas traurig stimmt aber auch beruhigt. Einen zu bekommen klingt auch nach viel Arbeit.

Dienstag mache ich nix, außer “The Nix” auszulesen (tusch!). Es ist ein gutes Buch, lassen Sie sich nicht von diesem sehr eloquenten Wikipediaartikel blenden.

 

10.05.-13.05.

Mittwoch Abend gehe ich auf eine Lesung vom Amerika Haus und der Neumann Stiftung. Dabei sehe ich entsprechend aus – wie die Vorsitzende der Jungen Liberalen. Es ist seltsam, ich freue mich aber noch allen Beispielen des Autors folgen zu können, obwohl ich zwei Jahre aus der Uni raus bin und gefühlt unter einem Stein wohne was amerikanische Innenpolitik angeht. Dem ist wohl doch nicht ganz so was mich etwas beruhigt.

Donnerstag verbringe ich mit dem vor zwei Wochen erworbenen “Statusmeldungen” auf dem Sofa. Ich buche meinen Sommerurlaub, in dem ich eine Woche an einem Hotelpool mit Frl. Jahnz verschimmeln werde. Die langen Wochenenden sehe ich fortan als Trainingslager dafür.

Freitag wollte ich produktiv sein und hatte eine riesige To Do Liste. Ich wollte zur Bank aber mein Bankmensch ist nicht erreichbar. Ich wollte zum Autohaus, es ist erst nicht erreichbar, will mich dann zurückrufen, tut es aber nicht. Meine Hausärztin hat auch zu, mit dem Impftermin wird das so also auch nichts. Aus Frust (bzw Rost) geht die Armatur in meiner Wanne kaputt und das Umstellnupsi (Fachausdruck!) möchte das Wasser nicht durch die Brause lenken. Da das Wasser wegen einem Rohrbruch in einer anderen Wohnung abgestellt wurde kommt auch erstmal kein Wasser. Der Hausmeister bestätigt nach Inspektion meinen Rostverdacht und kündigt für Montag Mittag einen Installateur mit neuem Hahn an. So strande ich ungeduscht auf dem Sofa und lese weiter.

Samstag geht es wieder in die Stadt mit dem Frl. Jahnz (man könnte hier ein Muster erkennen), ich brauche zwar nichts, finde aber auch nichts und glaube langsam an eine Verschwörungstheorie der Bademodenindustrie. Außerdem gehen wir in die Sonderausstellung “Der Wilde schlägt zurück” im Rautenstrauch-Joest Museum. Die Ausstellung hat ein interessantes Thema, was man in einem Raum mit 7 oder 8 Ausstellungsobjekten aufzuarbeiten versucht. Leider bin ich am Ende nicht so viel klüger als vorher (Indigene Künstler stellten ihre Kolonialisten dar) und das Thema Provenienz der Objekte wird gefühlt in zwei Absätzen abgehandelt. Ich hatte mir von der Ausstellung mehr erwartet, da das Thema eigentlich sehr viel hergibt. Abends ignoriere ich den ESC und gehe bei einem Freund duschen. Anschließend schauen wir I Am Not An Easy Man, einen Film, den man gesehen haben sollte! Dazu gibt es sehr viel Käse und Wein.

Heute putzte ich das Bad, aber nur so, dass es aussieht als sei nicht extra geputzt worden, nachher denkt der Installateur morgen noch, dass es bei mir sonst immer mega dreckig sei und ich geputzt hätte, weil ich mich sonst schämen müsste, hahaha, nein, das würde bei mir ja niemals vorkommen. Ich räume ein bisschen auf und um und liege das Sofa voll. Es ist ja schließlich Sonntag.

 

Was ich nebenbei an den beiden Wochenenden auf Netflix weggeguckt habe:

  • She’s Gotta Have It, Staffel I
  • Charité, Staffel I
  • eine halbe Staffel RuPaul’s Drag Race
  • zweite Hälfte der aktuellen Staffel Suits
  • sehr viele Folgen Riverdale
  • Dear White People, Staffel II
  • My Next Guest Needs No Introduction mit Tina Fey (kann Lettermans Interviews noch immer nix abgewinnen)
  • Arrested Development, Staffel II
  • Yes Man (Buch ist sehr viel besser als der Film!)

Was ich nebenbei an beiden Wochenenden gelesen habe:

  • The Nix von Nathan Hill
  • Statusmeldungen von Stefanie Sargnagel
  • eine Ausgabe von Die Zeit

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