Juli update

Willkommen zum Juli update! Diesen Monat blickte ich tief in die deutsche Volks(fest)seele und hatte ein paar Tage frei. Das war sehr gut. Außerdem tippe ich diesen Artikel, was wohl bedeutet, dass ich noch nicht geschmolzen bin, bei den derzeitigen Temperaturen ja auch nicht selbstverständlich!

Nach dem tiefen Blick in die Britische Seele am Lanzeroter Hotelbuffet im Juni ging es nun erst ins Sauerland “auf SchüFe”, wie man so schön sagt. Also stand ich mir Sonntag im prallen Sonnenschein Löcher in den Bauch und beobachtete eine Horde junger, mittelalter und älterer Männer durch ein Dorf ziehen, im Gleichschritt. Etwas befremdlich. Das aller befremdlichste dabei war allerdings das alle, ja, Alman? Kartoffel? Biodeutsch? (Wie sagt man inzwischen zu Menschen die phänotypisch sehr nah an mir selbst sind, ohne, dass jemand anfängt zu weinen vor Privilegien außerhalb von Rassismusdebatten?) Nunja, es war sehr homogen. Extrem homogen. Für mich, die ich in einer Vorstadt groß wurde und die letzten 10 Jahre in Städten verbrachte, ist das auf jeden Fall extrem gewöhnungsbedürftig. Nicht, dass ich Mitgefühl oder Verständnis hätte für Leute, die die AfD wählen, aber wenn man so auf seinem Dorf hockt, jedeR so aussieht wie man selbst (vermutlich ist man ja eh über 5 Grade verwandt…), dann im Fernsehen auf einmal ganz viele Leute sind, die anders aussehen – dann glaubt man diesen idiotischen Rattenfängerparolen vielleicht. Schützenfest lehrte mich viel über das Überleben und Auftreten von Parteien, von denen ich immer dachte, dass die sich doch mit sowas nicht mehr lange halten können. Willkommen in der Stadt-Land-Schere.

Abgesehen von politischen Überlegungen nach dem xten Pils oder Eistee-Apfelkorn (ja, sowas kann man trinken und es könnte schlechter schmecken!) stellte ich fest, dass ich gar nicht mal so absurd schlecht im Schießen bin obwohl ich ja nicht so viel sehe. Und die Sauerländer ihre Gastfreundschaft in ungefragt vor die Nase gesetzten Getränken ausdrücken.

Und wenn Schützenfest nicht genug gewesen wäre, nein, es ging auch noch auf ins ferne Bayern. Das letzte Mal war ich glaube ich noch vor der Einschulung in Bayern, ist also schon etwas her (mindestens so ca 5 Jahre), aber den Memminger Fischertag wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sonntag morgen springt das halbe Dorf (also nur die Männer, weil das ist ja eine harte Arbeit und nichts für das Weibsvolk!) in das Bächlein, das durch die Innenstadt fließt um die Fische rauszuholen, bevor alles Wasser abgelassen wird und das Bächlein gereinigt wird. Es ist live genau so seltsam wie es sich anhört. Am Ende wird die Person mit dem schwersten Fang zum Fischerkönig gekrönt, nachmittags gibts dann einen Umzug durch die Stadt. Memmingen hat mir sehr gut gefallen, sehr viele schöne, alte Gebäude, alles abartig sauber, Bier in großen Portionen und zu sehr fairen Preisen, auch für Volksfestverhältnisse, und top Käsespätzle. Aber es ist halt Bayern, ich glaube nach spätestens zwei Wochen dort würde ich des Freistaates verwiesen werden, vermutich wegen genereller Aufmüpfigkeit.

Kultur ist für diesen Monat also sowas von abgehakt.

Die letzte Woche hatte ich dann so gut wie komplett frei dank anstehendem Jobwechsel. Ich war aber nicht untätig sondern koordinierte Handwerkertermine, traf alte Freunde und trieb Kleider für den Hochzeitsmarathon im Sommer auf. Auf eins warte ich noch, eins ist beim Schneider, zwei hängen im Schrank. (Demnächst muss ich wohl mehr seriöse Veranstaltungen haben oder anständig angezogen ins Büro kommen damit die auch mal getragen werden.) Ein Paar neue Schuhe werden vermutlich auch noch geordert… Hochzeiten, so ein Stress. Zu viel Liebe im Freundeskreis.

 

Geraucht habe ich übrigens überhaupt gar nicht. Ha!